Kann es in Europa Hurrikane oder Tornados geben?

Hurrikane?

Als Hurrikane werden normalerweise tropische Wirbelstürme über dem Atlantik bezeichnet. Ihre Pendants über dem tropischen Pazifik werden Taifune genannt. Besonders im englischen Sprachgebrauch werden häufig starke Stürme mittlerer Breiten ebenfalls als Hurrikane bezeichnet, was aus meteorologischer Sicht falsch ist. Solche Wirbelstürme können nur über Ozeanen mit einer Oberflächentemperatur über 26.5 Grad Celsius entstehen. Viele Hurrikane folgen einer Zugbahn nach Norden, wobei sie sich öfters in normale Tiefdruckgebiete mittlerer Breiten umwandeln. Als solche können Sie dann auch Europa erreichen, wo sie aber in der Regel keine besondere Wetterwirksamkeit mehr aufweisen.

Im Jahre 2005, dem bisher extremsten Hurrikan-Jahr der Aufzeichnungen, kam erstmals ein Hurrikan über dem Atlantik dem europäischen Kontinent sehr nahe. Hurrikan „Vince“ hatte sich bei nur 23°C Wassertemperatur gebildet aufgrund besonderer meteorologischer Bedingungen (Höhentief). Allerdings schwächte sich der mit dem typischen „Auge“ ausgestattete Hurrikan über dem vergleichsweise kalten Wasser schnell wieder ab und überquerte als tropisches Sturmtief den Südwesten der Iberischen Halbinsel.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass auch über dem Mittelmeer durch die bei Klimawandel
zunehmenden Wassertemperaturen das Risiko zur Bildung von tropischen Wirbelstürmen besteht.

(M. A. Gaertner, D. Jacob, V. Gil, M. Dominguez, E. Padorno, E. Sanchez, and M. Castro: Tropical cyclones over the Mediterranean Sea in climate change simulations; Geophys. Res. Letters, VOL. 34, LXXXXX, doi:10.1029/2007GL029977, 2007)



Tornados?

Anders ist die Situation bei Tornados (das Wort stammt aus dem Spanischen), die sehr kleinräumige aber intensive Wirbelstürme darstellen, die auch in mittleren Breiten und damit auch in Europa auftreten. Typisch für diese Wirbelstürme ist ein Wolkenrüssel, der sich von einer Schauer- oder Gewitterwolke in Richtung Boden erstreckt und in dem eine extrem hohe Rotationsgeschwindigkeit bis zu einigen Hundert Kilometer pro Stunde auftritt. im deutschen Sprachgebrauch heißen Tornados über Land Wasserhosen und über Wasser oder allgemein in der Meteorologie Tromben. Sie wandern meist mit einer Geschwindigkeit von 50-60 km/h in Richtung der vorherrschenden Höhenströmung über Distanzen von 5-10 km, in Extremfällen auch bis 300 km. Sie hinterlassen oft eine Schneise der Verwüstung mit einer Breite von 300 m bis über 1000 m. Im Mittel werden pro Jahr in den USA 750 und über Mitteleuropa immerhin etwa 10 Tornados gezählt.