Die gefrorenen Küsten der Arktis: Ein Lebensraum schmilzt davon

Eroierende Steilküste der russischen Insel Muostakh (am 8.8.2012) / Coastal erosion at cliff line of Russian island Muostakh (at 8.8.2012) Copyright: Thomas Opel, AWI, Bremerhaven.

Das neue EU-Projekt „Nunataryuk“ erforscht die Permafrostgebiete der Welt. 28 Partner, davon zwei Forschungsgruppen am Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M) geleitet von Tatiana Ilyina (Biogeochemie des Ozeans in der Abteilung „Ozean im Erdsystem“) und von Victor Brovkin (Wechselwirkung Klima-Biogeosphäre in der Abteilung „Land im Erdsystem“) tragen zu „Nunataryuk“ bei, welches vom 22.-24. November 2017 in Potsdam offiziell gestartet wurde.

Permafrostböden prägen ein Viertel der Landmasse auf der Nordhalbkugel. Durch den Klimawandel tauen speziell die arktischen Küsten verstärkt ab und setzen zusätzliche Mengen an Treibhausgasen frei. Das EU-Projekt, das vom Alfred-Wegener-Institut Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung (AWI) koordiniert wird, untersucht jetzt die Folgen des Abtauens des Permafrosts auf das weltweite Klima und die Bewohner der Arktis. Doch nicht nur das: Zusammen mit Bürgern der arktischen Region werden die Forscher Zukunftsstrategien entwickeln, mit denen die Bevölkerung den Veränderungen in ihrer Heimat begegnen kann.

Schon die schiere Größe der Permafrostgebiete macht klar, dass sie weltweit von Relevanz sind – nicht zuletzt im Hinblick auf den Klimawandel. Ein Viertel der Landmasse der Nordhalbkugel besteht aus diesen seit Jahrtausenden tiefgefrorenen Böden. Und etwa ein Drittel aller Küsten weltweit liegen in der Permafrostregion, die sich über Alaska, Kanada, Grönland, Skandinavien und Sibirien erstreckt. Schon seit vielen Jahren wissen Forscher, dass der Permafrost mit dem Klimawandel immer stärker taut. Dennoch ist bislang weder genau bekannt, welche Konsequenzen das für das globale Klima hat, noch welche Folgen die Menschen in der arktischen Region zu erwarten haben. Noch gibt es zu viele Wissenslücken. In dem bislang einmaligen EU-Projekt „Nunataryuk” werden deshalb in den kommenden fünf Jahren Wissenschaftler von 27 Forschungseinrichtungen die Permafrostgebiete entlang der Küsten der Welt intensiv erforschen.

Das Besondere: Sie werden intensiv mit einzelnen Gemeinden vor Ort zusammenarbeiten – auch um herauszufinden, wie die Menschen künftig mit dem Auftauen des Bodens zurechtkommen können. „Das Projekt zeichnet sich dadurch aus, dass wir zum einen die globalen Folgen des Auftauens verstehen wollen, mit den Projekten in den verschiedenen Gemeinden aber auch sehr genau schauen, was lokal passiert“, sagt der AWI-Geowissenschaftler Hugues Lantuit, der das Großprojekt koordiniert.

Die biogeochemischen Auswirkungen des arktischen Festlandsockels auf den Klimawandel werden noch nicht gut verstanden. Die beiden Forschungsgruppen am MPI-M wollen daher mit einer ganz neuen großskaligen Modellierung der unterseeischen Permafrostphysik und Biogeochemie zu “Nunataryuk” beitragen, um die Unsicherheiten in der Rückkopplung von Klima und Kohlenstoff zu reduzieren. “Der unterseeische Permafrost wurde während der letzten Eiszeitzyklen gebildet als der Festlandsockel den Frostbedingungen ausgesetzt war und später während des Abschmelzens überschwemmt wurde. Wir haben es mit einer einzigartigen Struktur gefrorenen Kohlenstoffs an Land zu tun, der unter marinen Sedimenten verborgen ist.“ Sagt Victor Brovkin. Tatiana Ilyina betont die Wichtigkeit der gemeinsamen Forschung: „Der Kohlenstoff, der im arktischen Festlandssockel gespeichert ist, ist eine der großen Unsicherheiten im globalen Kohlenstoffhaushalt. Den Einfluss von Permafrostkohlenstoff auf den Klimawandel zu kennen, ist ein großer Schritt vorwärts.“

 

 

Mehr Information:

Die vollständige Pressemitteilung des AWI zu “Nunaturyak” im Original finden Sie auf der AWI-Webseite:

https://www.awi.de/nc/ueber-uns/service/presse-detailansicht/presse/die-gefrorenen-kuesten-der-arktis-ein-lebensraum-schmilzt-davon.html

Projektwebseite:

https://www.awi.de/forschung/geowissenschaften/periglazialforschung/projekte/nunataryuk.html

 

 

Kontakte am MPI-M:

Prof. Dr. Victor Brovkin
Tel.: 040 41173 339
E-Mail:
victor.brovkin@we dont want spammpimet.mpg.de

Dr. Tatiana Ilyina
Tel.: 040 41173 164

E-Mail:
tatiana.ilyina@we dont want spammpimet.mpg.de