Interview mit Hartmut Graßl anlässlich der EMS Silbermedaille

"Ich hatte zunächst Angst vor Physik, deshalb habe ich Meteorologie studiert"

Am 11. September erhält Prof. Hartmut Graßl, emeritierter Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie (MPI-M) und Professor emeritus am Meteorologischen Institut der Universität Hamburg, die höchste Auszeichnung, die Silbermedaille der Europäischen Meteorologischen Gesellschaft - für "seine Führungsrolle in der Gestaltung der Klimawissenschaft und seine außergewöhnliche Art, diese gegenüber Kollegen, Politikern und der Öffentlichkeit zu kommunizieren". Mit uns sprach der 73-Jährige über die Entwicklung vom Orchideenfach Klimatologie zur millionenschweren "Big Science" und darüber, wie wissenschaftliche Erkenntnis ihren Weg ins gesellschaftliche und politische Tagesgeschehen findet.

KlimaCampus:Herr Graßl, Sie arbeiten seit über 40 Jahren in der Klimaforschung, haben die Anfänge begleitet, sich für das Thema stark gemacht, als der Klimawandel noch nicht in aller Munde war - weder in Deutschland, noch international. Sie haben Bewusstsein geschaffen bei Behörden und Politik, waren fünf Jahre lang Direktor des "World Climate Research Programme". Haben Sie sich das so vorgestellt, als Sie anfingen, in München zu studieren? Und wie sind Sie dann zur Klimaforschung gekommen?

Graßl:Ich hatte einen sehr guten, weitsichtigen und visionären Lehrer, Prof. Möller an der Ludwig-Maximilians-Universität in München, wo ich mit dem Meteorologie-Studium begann. Er hatte in seiner eigenen Doktorarbeit bereits 1932 ein Nomogramm entwickelt, mit dem er die langwelligen Nettostrahlungsflüsse in der Atmosphäre für die drei wichtigsten Klimagase Wasserdampf, CO2 und Ozon bestimmen konnte. Es wurde im ersten dreidimensionalen Klimamodell von Smagorinsky, Manabe und Wetherald in Princeton genutzt.

KlimaCampus:
Hatten Sie denn zum Zeitpunkt Ihres Studiums schon geahnt, in welche Richtung die Klimaforschung gehen würde?

Graßl: Ja, sicher, denn ich habe meinem Lehrer Fritz Möller ja geglaubt. Erst einmal habe ich Meteorologie studiert, weil ich dachte, das sei nicht ganz so fordernd. Dann habe ich aber schnell gemerkt, dass das ziemlich viel Mathematik und Physik ist (lacht). Nach dem Vordiplom bin ich dann zur Physik gewechselt. Herr Bopp, der Lehrstuhlinhaber für Theoretische Physik - übrigens einer der "Göttinger Achtzehn" *1, das wusste ich aber damals noch nicht - prüfte mich kurz in Theoretischer Mechanik und dann schrieb er quer über mein Vordiplomzeugnis in Meteorologie: "Dieses Zeugnis schließt auch das Vordiplom in Physik mit ein". Damit war ich Physikstudent und habe danach nie wieder eine Pflicht-Vorlesung in Meteorologie besucht, obwohl es mein Nebenfach war.

Weggefährten: Ehemalige und amtierende Direktoren des MPI-M im Januar 2006: Prof. Hartmut Graßl mit Prof. Guy Brasseur (heute Direktor des Climate Service Centers in Hamburg), Prof. Martin Claußen, Prof. Klaus Hasselmann und Prof. Jochem Marotzke (v.l.n.r.) Foto: M. Böttinger, DKRZ

 

KlimaCampus: Damals gab es, anders als heute, die Klimawissenschaft als solche ja noch nicht.

"Anfangs waren die Klimatologen eine Untermenge der Meteorologen"

Graßl: Nein, die Klimatologen waren eine Untermenge der Meteorologen und machten überwiegend eine Synthese des Wetters mit statistischen Methoden. Es gab allerdings auch viele Klimastationen, die von ihnen betreut wurden. So war ich als Student - schon bevor ich zur Klimaforschung kam - ein Jahr lang für eine Expedition auf dem Forschungsschiff "Meteor" tätig und habe mein Studium quasi unterbrochen. Fritz Möller und Heinrich Quenzel hatten damals ein Projekt initiiert, das die Absorptionsfähigkeit von Aerosolen im Südatlantik untersuchen sollte. Das war damals ein sehr innovatives Thema. Im Südatlantik bei 8°S deshalb, da dort die Atmosphäre noch wenig vom Menschen gestört war und nur natürliches Aerosol vorkam, höchstens noch Ruß von Vegetationsbränden auf dem afrikanischen Kontinent. Erst habe ich den Bau eines Containerlabors in München mit vorbereitet, dann in Hamburg auf einer Werft die Geräte eingebaut und schließlich mit dem sogenannten Interferenzfilter-Aktinographen auf der "Meteor" mit Herrn Quenzel vier Monate lang gemessen.

KlimaCampus: Was waren Ihrer Meinung nach die Erkenntnisse, die die moderne Klimawissenschaft erst auf den Weg gebracht haben?

Graßl: Das waren die CO2-Messungen von David Keeling, der seine Messstationen am Mauna Loa auf Hawaii und am Südpol im Internationalen Geophysikalischen Jahr 1957 eingerichtet hatte. 1960/61 war dann klar, dass die CO2-Konzentration auf Hawaii einem ansteigenden Sägezahn folgt (natürlicher Jahresgang). Man sah, dass die Luft im Laufe des Jahres unterschiedliche Konzentrationen von CO2 enthält. Man hatte aber noch keinen internationalen Vergleich und auch der absolute Wert war unsicher. Bert Bolin aus Stockholm, ein schwedischer CO2-Spezialist, hat dann sogenannte Ringvergleiche initiiert. Dabei wurden in verschiedenen Labors auf der Welt lokale Luftproben untersucht und der CO2-Gehalt bestimmt. Es war klar, dass CO2 zunimmt, so dass die vollständige Theorie des anthropogenen Treibhauseffektes von Guy Stewart Callendar rehabilitiert war, die er 1938 im Quarterly Journal of the Royal Meteorological Society veröffentlicht hatte. Auch Svante Arrhenius' Theorie von 1896 war damit durch Messungen bestätigt.

"Schon Anfang der 50er konnte man CO2 in Modellen verdoppeln und sehen, dass es dadurch wärmer wird"

KlimaCampus: Trotzdem war es noch ein langer Weg. Was hat die Klimawissenschaft danach weiter vorangebracht?

Graßl: Eine Kommission der Akademie der Wissenschaften in den USA! Die World Meteorological Organization (WMO) wollte 1979 eine erste Weltklimakonferenz in Genf ausrichten. Grund war, dass solide Forschung gebraucht wurde, um sich der Frage nähern zu können, ob der Mensch das Klima auch global beeinflusst. Veröffentlichungen mit Strahlungstransportmodellen hatten das schon nahegelegt. Basis für die Untersuchungen war die seit Anfang der 50er Jahre etablierte Strahlungstransportgleichung. Lösungen dieser Gleichung mit doppeltem CO2-Gehalt zeigten, dass es dann wärmer wird. Viele haben das wegen fehlender dynamischer Prozesse aber nicht geglaubt, auch Herr Hinzpeter nicht. (Anm. d. Red.: Prof. Hans Hinzpeter, Professor an der Universität Hamburg und Direktor am MPI-M).

Die Wende kam dann mit der genannten Konferenz. Die Kommission des National Research Council (NRC) der USA sagte in diesem Zusammenhang: "Mit den besten uns zur Verfügung stehenden Modellen schätzen wir ab, dass eine Zunahme des CO2-Gehalts zu einer mittleren globalen Erwärmung führen muss". Sie gab dazu eine Größenordnung mit Fehlerbalken an. Bei der Konferenz wurde ein Weltklimaprogramm beschlossen, mit dem bekannten WCRP (World Climate Research Programme) und drei weiteren weniger bekannten Teilen.

KlimaCampus: Ging es am Anfang nur um die Atmosphäre oder auch schon um den Ozean?

Graßl: Etwa ab Mitte der 80er Jahre waren auch die Ozeanographen dabei. Über die Planungsgruppe bei der WMO in Genf hinaus lagen die Projektbüros in sich besonders engagierenden Ländern, z.B. USA, Großbritannien, Frankreich, Norwegen. Das bekannte CLIVAR-Projekt ist für einige Jahre bei uns in Hamburg koordiniert worden, denn Lennart Bengtsson am MPI-M war einer der Initiatoren. Ich habe als WCRP-Direktor außerdem darauf gedrungen, auch die Kryosphärenforschung global zu machen, was inzwischen im Projekt "Climate and the Cryosphere" (CliC) der Fall ist. Im ersten der WCRP-Projekte TOGA (Tropical Ocean Global Atmosphere), das schon 1994 endete, war Mojib Latif einer der Väter der Jahreszeitenprognose.

Mein Glück als junger Wissenschaftler war, dass Hans Hinzpeter, den ich 1965 auf der "Meteor" kennengelernt hatte, mir große Forschungsfreiheit gegeben und mir fast nie dreingeredet hat. "Gibt's was Neues?", hat er immer nur gefragt. So habe ich ihm zum Beispiel 1973 vorgeschlagen, neben den Strahlungsflüssen auch die kühle Haut auf dem offenen Ozean zu messen - damals eine Neuerung in der Wissenschaft. Ohne wissenschaftliche Freiheit ist Kreativität nicht möglich. Das gilt auch für das WCRP. Es fließt sehr viel Geld in dieses Programm. Die NASA hat z.B. allein für die Modellierung der Oberflächenprozesse im Projekt "Global Energy and Water Cycle Experiment" (GEWEX) mehrere Millionen Dollar jährlich bezahlt. Damit wurde die Klimaforschung zur "Big Science". 1995 haben die einzelnen Förderorganisationen uns beauftragt herauszufinden, wie viel Geld für Klimaforschung ausgegeben wird. Ergebnis: Etwa eine Milliarde Dollar pro Jahr (ohne die Satelliten). Trotzdem: Mit Geld allein kommt die Erkenntnis nicht voran.

KlimaCampus: Das WCRP gab demnach den Anstoß für die Entwicklung der Klimaforschung zur "Big Science"?

Graßl: Ja, denn über die WMO hatte das WCRP die Unterstützung aller Wetterdienste weltweit und über den Internationalen Rat der Wissenschaft (ICSU) den der hochkarätigen Wissenschaftler.

KlimaCampus: Wie kam es, dass Sie WCRP-Direktor wurden?

Graßl: Weil mein Vorgänger mich gebeten hatte, mich zu bewerben und der Präsident des Deutschen Wetterdienstes dies unterstützte.

"Welche Weichen man gestellt hat, merkt man oft erst hinterher."

KlimaCampus: Eine Zeit, in der wichtige Entwicklungen angestoßen wurden. Das war sicher faszinierend...

Graßl: In dem Augenblick merkt man das gar nicht so sehr. Erst hinterher wird einem bewusst, welche Weichen man gestellt hat. Das gilt auch für die Gründung des Deutschen Klimarechenzentrums (DKRZ) im Jahre 1987. Damals habe ich glücklicherweise bei einem Gutachtergremium des Bundesministeriums für Forschung und Technologie helfen können. In Hamburg müssen wir aber auch Herrn Lüst für die Gründung des MPI-M und die Wahl von Herrn Hasselmann als Gründungsdirektor danken. Das war für den Klimaforschungsstandort Hamburg entscheidend. All dies war am Ende auch die Grundlage für den heutigen Exzellenzcluster CliSAP.

Sein Wort hat Gewicht: Prof. Hartmut Graßl auf dem Herbstfest des KlimaCampus 2009

















KlimaCampus: Was geschah in den Jahren, nach Entstehung des MPI-M und bevor es CliSAP gab, weiter?

Graßl: Die Gründung des ZMAW. Dieses gemeinsame Zentrum von Universität und Max-Planck-Institut, das Ozeanographie und Atmosphärenforschung eng zusammenband, war Grundvoraussetzung für CliSAP. Der erste Antrag für einen Cluster mit stärkerem Augenmerk auf der biologischen Komponente wurde bekanntlich abgelehnt. Die Konzentration auf die Kernkompetenz Klimaforschung war entscheidend für den Erfolg des zweiten Antrags.

KlimaCampus: Inzwischen kommen diese Fachrichtungen aber wieder hinzu. Biologie, Geographie, Wirtschafts- und Gesellschaftswissenschaften - all diese Disziplinen tragen heute zur Klimaforschung bei. Zerfasert das womöglich? Was denken Sie, wie es weitergeht?

Graßl: Die Interdisziplinarität ist jetzt das Wichtige. Man braucht einerseits "Tiefbohrer" in den jeweiligen Fächern und andererseits Integratoren, die mehr in die Breite arbeiten. Auch ist es oft schwierig für die eine Disziplin, das Innovative in der Arbeit der jeweils anderen zu erkennen. Hier ist die gegenseitige Beurteilung der Forschungsergebnisse manchmal schwierig einzuordnen, aber die besonders Guten haben bei Zusammenarbeit weniger Probleme als andere.

KlimaCampus: Wie sollte man das Problem lösen?

"Wir brauchen noch mehr Hochkaräter und eine entsprechende Berufungspolitik"

Graßl: Man braucht in den Sozialwissenschaften noch mehr Hochkaräter, zum Beispiel Verhaltensforscher, um die Rolle des Menschen im Klimawandel noch näher zu beleuchten. Hier ist die Berufungspolitik ganz entscheidend.

KlimaCampus: Wie sieht es mit dem wissenschaftlichen Nachwuchs aus - haben wir die richtigen Studierenden? Sind diese heute anders als früher?

Graßl: Fragen Sie nach BScs oder PhDs? Die Promovenden sind gut wegen der Doktorandenschulen SICCS und IMPRS. SICCS muss noch wachsen, IMPRS hat ein hohes Niveau. Was die Studenten betrifft - die einheimischen sind manchmal gesättigt. Die ausländischen Studierenden sind oft viel ehrgeiziger. Der demographische Wandel wird uns in Zukunft noch mehr helfen.

Engagiert für den Nachwuchs: 2011 verleiht Prof. Graßl den Köppen-Preis an Dr. Julia Pongratz vom Max-Planck-Institut für Meteorologie








KlimaCampus:
Also in Kürze: Wir brauchen mehr Sozialwissenschaftler, mehr Biss bei den Studenten ... was noch?

Graßl:
... eine Ausweitung des Themas. Wir haben viele globale Probleme: Klimawandel, demographischer Wandel (nicht Wachstum), extreme Bedrohung der Biodiversität, Unruhe und Konflikte in den nicht demokratischen Ländern, wo junge Männer einen Großteil der Bevölkerung ausmachen (Ägypten, Tunesien, etc.). Das wären auch wichtige Themen für die Sozialwissenschaftler bei der Erforschung des globalen Wandels. Außerdem müsste mehr für die sogenannte "Weltinnenpolitik" (nach C. F. v. Weizsäcker) getan werden. Noch immer ist das Credo der Nationalstaat - wie schon damals nach dem Westfälischen Frieden. Das einzige Gegenbeispiel für die Überbetonung der Souveränität des Nationalstaates ist bis heute die Europäische Union. Da unsere Probleme global sind, müssen sie auch (welt)gemeinschaftlich gelöst werden. Deshalb klappt es auch nicht mit den Klimaverhandlungen. Da sollen die Sozialwissenschaftler mal forschen.

"Ich bin ein Fan der Europäischen Union."

KlimaCampus: Folgen Sie den Klimaverhandlungen? Warum scheitern manche Dinge?

Graßl: Ich bin da optimistischer als die Medien, trotz aller Schwierigkeiten, dass wir ein verbindliches Völkerrecht für die Dämpfung des anthropogenen Klimawandels zustande bringen. Obamas jüngste Rede dazu enthielt zum Beispiel echte Maßnahmen. Es gibt auch schon einen Fahrplan für Paris 2014. Wer will das jetzt noch scheitern sehen? Gut, es fehlen noch die Reduktionsmaßnahmen, welches Land bis wann wie viel Emissionen reduzieren muss. Das ist wichtig, aber hier sind wir wieder beim gleichen Thema: Warum haben wir eine solche Angst vor Abgabe von Souveränität und Kompetenz an ein unabhängiges übergeordnetes Gremium? Wir Europäer können das schon durch die EU. Ich bin ein Fan der Europäischen Union! Ein einmaliges Experiment der Menschheit: eine neue "Staatengemeinschaft", die friedlich ohne Krieg entstanden ist. Früher musste man erobern: Heute wird artig angeklopft, weil man dazu gehören will. Absolut einmalig!

KlimaCampus: Zum Schluss noch: Was waren die Highlights Ihrer Karriere? Können Sie uns zwei, drei "Sternstunden" nennen?

Graßl: Wissenschaftlich war ich in meiner Zeit in Mainz (1971 bis 1976) am innovativsten. Ich habe das Wasserdampfkontinuum in der Atmosphäre entdeckt, die kühle Haut des Ozeans untersucht und die "schmutzige Wolke" erfunden. Darüber hinaus hat mich die Kommunikation des Klimawandels durch die Deutsche Physikalische Gesellschaft (DPG) 1986 in die Rolle des Ghostwriters für die Präsidenten der wissenschaftlichen Gesellschaften katapultiert. Die DPG hatte etwas zu Klima geschrieben, was der Deutschen Meteorologischen Gesellschaft (DMG) nicht gefiel und wollte Klimatologen in dem Gremium sehen. Herr Schönwiese und ich kamen dann dazu und ich durfte das Memorandum für die Präsidenten mit ihm neu schreiben: "Warnung vor weltweiten Klimaänderungen durch den Menschen". Das damalige Ministerium für Forschung und Technologie wollte die Veröffentlichung verhindern, aber sie fand trotzdem im März 1987 statt. Und ich wurde zum "Medienstar".

KlimaCampus: Warum wollte das Ministerium unter Herrn Riesenhuber die Veröffentlichung verhindern?

Graßl: Weil der Bericht angeblich nicht politisch opportun war. Ich war sehr enttäuscht und dachte, ich hätte für den Papierkorb gearbeitet. Herr Trümper (Anm. der Red.: Max-Planck-Institut für Astrophysik) rief dann aber an und sagte, dass die Broschüre jetzt raus muss, aber überarbeitet werden sollte. Das habe ich aber nicht getan. Dann wurde sie unverändert zur Frühjahrstagung der DPG veröffentlicht. Aus der Politik gab es übrigens zunächst keine wesentliche Resonanz - bis auf die von Franz Josef Strauß!

Der hat als Bayerischer Ministerpräsident über den Bundesrat die Regierung aufgefordert, einen wissenschaftlichen Klimabeirat der Regierung einzuberufen (der Vorläufer des Wissenschaftlichen Beirats Globale Umweltveränderungen (WBGU) der Bundesregierung). Herr Hasselmann und ich waren dann Mitglieder auf der Gründungsversammlung. Und weil man sich nicht einigen konnte, wurde ich, weil ich der Jüngste war, Gremiumsvorsitzender. Das Gremium wurde dann beim Forschungsministerium angebunden, das den Bericht ja erst verhindern wollte. Damit konnten wir so agieren, dass Deutschland Vorreiter in der Klimapolitik wird. Teilweise ist es das immer noch. Rein wissenschaftlich sind wir an der Spitze der Klimaforschung, vergleichbar mit wenigen Einrichtungen in den USA, in England, Frankreich und der Schweiz.

Herr Graßl, wir danken Ihnen für das Gespräch!

Das Interview führten Ute Kreis (CliSAP) und Dr. Annette Kirk (MPI-M) vom KlimaCampus Hamburg.

*1 "Die Göttinger Achtzehn" waren eine Gruppe angesehener deutscher Atomforscher (darunter die Nobelpreisträger Otto Hahn, Max Born und Werner Heisenberg), die sich 1957 in der Göttinger Erklärung gegen die von Bundeskanzler Adenauer und Franz Josef Strauß diskutierte Aufrüstung mit Atomwaffen wandten.