Interview mit Prof. Marotzke zu Hurrikan "Katrina"
Frage: Wie entsteht ein Hurrikan?
Das Besondere an einem Hurrikan ist, dass er letztlich wie eine Wärmekraftmaschine in einem Kraftwerk funktioniert. Es wird Wärme an der Meeresoberfläche rein gesteckt und oben, am Oberrand der Troposphäre, abgegeben. Diese Eingabe von Wärme unten und Abgabe von Wärme oben führt dazu, dass letztlich eine Kraftmaschine läuft. Wir sehen die Winde.
Wenn die Winde über die Meeresoberfläche streichen, nehmen sie feuchte Luft auf und Wasserdampf von der Meeresoberfläche. Dieser Wasserdampf ist sozusagen die Energiequelle. Wenn dann die Luft aufsteigt, kondensiert der Wasserdampf und gibt die Kondensationswärme frei und treibt deswegen die Luft weiter nach oben. Sie steigt dann fast explosionsartig nach oben und es muss dann Luft an der Oberfläche nachgezogen werden. Und die holt dann wieder neuen Wasserdampf aus der Meeresoberfläche heraus. So läuft das Ganze wie ein Kreislauf immer weiter. Zusätzlich gibt es enorme Regenmengen.
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Frage: Voraussage des Verlaufs eines Hurrikans?
Das ist das ganz große Problem. Wir können mittlerweile die Zugbahnen relativ genau vorhersagen. Was wir noch immer nicht gut vorhersagen können, ist, ob ein Wirbelsturm stärker oder schwächer wird. Das hängt sehr damit zusammen, wie der Wirbelsturm mit der Meeresoberfläche wechselwirkt. Es kann passieren, dass ganz überraschend ein Sturm sehr viel stärker wird, es kann aber auch passieren, dass er ganz überraschend schwächer wird.
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Frage: Nehmen Wirbelstürme in Ihrer Quantität zu?
Der letzte IPCC-Bericht hat gezeigt, dass über die letzten 30 Jahre die Anzahl der Wirbelstürme nicht zugenommen hat, aber ganz neue Forschungsergebnisse, die vor 2 Monaten veröffentlicht wurden, zeigen, dass die Stärke der Wirbelstürme zugenommen hat. Es gibt jetzt also zwar nicht mehr, aber es gibt Wirbelstürme mit größerer Zerstörungskraft.
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Frage: Wie sieht Ihre aktuelle Einschätzung bzgl. des Hurrikan „Katrina“ aus?
Er ist in gewisser Hinsicht typisch in seiner Gefahr, die er darstellt. Er hat als relativ schwacher Wirbelsturm Florida überquert, hat Todesopfer hervorgerufen, aber war kein besonders starker Sturm und über dem Golf von Mexiko hat er dann auf einmal an Stärke enorm zugenommen und dann als ein sehr, sehr starker Wirbelsturm jetzt Louisiana getroffen. Diese Fähigkeit, eine Weile schwach zu sein und dann plötzlich an Stärke zuzunehmen ist leider typisch für die besonders gefährlichen Hurrikans.
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Frage: Können Hurrikans bei uns auftreten?
Hurrikans gibt es bei uns nicht, das ist völlig ausgeschlossen. Die Wassertemperaturen sind viel zu niedrig. Aber natürlich können wir das Gegenstück zu Tornados haben: Windhosen über Land, die können sein, die aber längst nicht diese Zerstörungskraft haben, wie dieser Hurrikan, wie wir ihn jetzt in den USA sehen.
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Frage: Welches war der stärkste Hurrikan?
Der stärkste Hurrikan hatte keinen Namen. Das war 1935 und ich habe gerade noch einmal nachgeschaut: Dieser Hurrikan hat sich in 12 Stunden von einem starken Sturm in ein absolutes Monster verwandelt und Louisiana verwüstet. Das ist jetzt 70 Jahre her und wir hoffen dass der jetzige Hurrikan nicht so stark sein wird.
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Ansprechpartner für Medien:
Dr. Annette Kirk
Max-Planck-Institut für Meteorologie
Bundesstr. 53
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Tel.: 040 41173 374
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