Lennart Bengtsson erhält Descartes-Forschungspreis 2005

Prof. Dr. Lennart Bengtsson, emeritierter Direktor des Max-Planck-Instituts für Meteorologie in Hamburg wurde am 2. Dezember 2005 in London mit dem René-Descartes-Preis 2005 ausgezeichnet.
Die mit jeweils 200.000 Euro dotierte Auszeichnung wurde in einem Festakt in London von der Europäischen Kommission an die erfolgreichsten transnationalen europäischen Forschungsprojekte dieses Jahres verliehen. Für den Descartes-Forschungspreis 2005 wurden im Vorfeld von der Grand Jury aus 85 Bewerbungen die 14 besten Bewerbungen ausgewählt, die um die Gewinnsumme von 1.150.000 Euro konkurrierten. 76 Forschungsteams aus 22 Ländern innerhalb Europas sowie nichteuropäischen Drittländern wie den USA, Japan, Russland, Singapur und Südafrika hatten ihre Bewerbung eingereicht – dreimal mehr als im letzten Jahr. Die bahnbrechenden, grenzüberschreitenden Forschungsprojekte sind eindrucksvolle Beweise herausragender wissenschaftlicher Leistungen und decken ein breites Spektrum von Bereichen der Wissenschaft und Technologien ab – Biowissenschaften, Ingenieurwissenschaften, Grundlagenwissenschaften, Informationswissenschaften, Geo- und Sozialwissenschaften.
Von diesem Jahr an teilen sich die Preisträger und Finalisten den Descartes-Forschungspreis. Der „René-Descartes-Preis für hervorragende wissenschaftliche Forschung“ wird von der Europäischen Kommission an Forscherteams vergeben, die im Rahmen europäischer Gemeinschaftsprojekte hervorragende wissenschaftliche oder technologische Ergebnisse und außergewöhnliche Leistungen der Spitzenforschung erzielt haben. Im Unterschied zum Nobelpreis zeichnet diese mit einer Million Euro dotierte europäische Auszeichnung nicht Einzelpersonen, sondern länderübergreifende Forschergruppen aus. Entscheidend ist das Doppelkriterium wissenschaftlicher Exzellenz und Kooperation.
Prof. Bengtsson erhielt den Preis gemeinsam mit Prof. Ola M. Johannessen und Dr. Leonid Bobylev vom Nansen Environmental und Remote Sensing Center in Norwegen für das dort koordinierte Projekt CECA (Climate and Environmental Change in the Arctic). Das CECA Projekt umfasst eine Anzahl von multidisziplinären Forschungsprojekten, die in den vergangenen zehn Jahren zum Thema "Klima und Umweltveränderungen in der Arktis" durchgeführt wurden.
Die Forschungsarbeiten beschäftigten sich in erster Linie mit der Untersuchung der Klimaschwankungen in der Arktis. Insbesondere die auffälligen Wärme- und Kälteperioden im letzten Jahrhundert waren Forschungsgegenstand. Es wurden starke Wechselwirkungen zwischen der atmosphärischen Zirkulation und der Eisbedeckung herausgefunden, wo die Barentssee eine Schlüsselfunktion hat. In den Untersuchungen konnte nachgewiesen werden, dass die hohen Temperaturen in den 30er Jahren auf natürliche Schwankungen, die letzte Erwärmung aber auf anthropogene Ursachen (Emission von Treibhausgasen) zurückgeht. In den letzten 5 Jahren laufen die natürlichen und anthropogenen Ursachen in die gleiche Richtung und verstärken den Effekt der Eisschmelze im Spätsommer. Während 1979 noch 7.5 Mio. qm Eisbedeckung zu finden waren, sind es in 2005 weniger als. 5.5 Mio. qm im September. Intensiv gearbeitet wurde im Rahmen von CECA an einer systematischen und integrierten Analyse verschiedener Beobachtungs- und Modelldatensätze, da es nur sehr wenige Beobachtungsdaten in der Arktis gibt.
Die wissenschaftlichen Errungenschaften und Neuerungen aus dem CECA Projekt haben das „state-of-the-art“-Wissen und Verständnis des arktischen Klimasystems und seines Einflusses auf Europa entscheidend vorangebracht.
Prof. Bengtsson, geboren 1935, war von 1991 bis 2000 Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Nach seiner Emeritierung ist er als Professor an der Universität Reading/England. beschäftigt. Von 1976 bis 1982 war Prof. Bengtsson Forschungsdirektor des European Centre for Medium Range Weather Forecasts (ECMWF) in Reading und von 1982 bis 1990 Direktor des ECMWF. Er wurde mehrfach für seine Forschungsarbeiten ausgezeichnet, u.a. 1990 mit dem Förderpreis und der Goldenen Rosette für Europäische Wissenschaft durch die Hamburger Körberstiftung und mit dem Umweltpreis der Deutschen Bundesstiftung Umwelt im Jahr 1998 gemeinsam mit seinen Kollegen Prof. Graßl und Prof. Hasselmann vom Max-Planck-Institut für Meteorologie. Er ist Mitglied der Schwedischen Akademie der Wissenschaften und Academia Europeae und seit 1999 ist er Fellow der Amerikanischen Meteorologischen Gesellschaft.
2. Dezember 2005


